Kooperationen verstetigen

Viele Selbsthilfegruppe und -organisationen arbeiten bereits mehr oder weniger intensiv mit Gesundheitseinrichtungen zusammenarbeiten. Viele Selbsthilfeaktive haben den Wunsch, diese Zusammenarbeit zu verstetigen und damit verlässlicher und zugleich planbarer zu gestalten. Immer wieder taucht dabei die Frage auf: „Schaffen wir das?“

Das Konzept Selbsthilfefreundlichkeit kann Ihnen als Leitfaden dienen, mit dem Sie Ihre Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen strukturiert und systematisch aufbauen oder weiterentwickeln können.

Nehmen Sie sich etwas Zeit und besprechen Sie in Ihrer Gruppe die folgenden Denkanstöße. Sie helfen Ihnen gemeinsam zu entscheiden, ob eine Zusammenarbeit entlang unseres Konzepts für Sie in Frage kommt und machbar ist:

Unsere Selbsthilfegruppe kennt ihre Grenzen und achtet darauf, sich nicht zu überlasten

Kooperation mit Gesundheitseinrichtungen – das klingt zunächst einmal toll. Eine solche Zusammenarbeit macht allerdings auch Arbeit und kostet Zeit.

Im Ramen einer Zusammenarbeit wird es etliche Termine und Aufgaben vor Ort in der Gesundheitseinrichtung geben, die zuverlässig wahrgenommen werden sollten. Außerdem bedarf es ausreichend Zeit in der Gruppe, um die Zusammenarbeit zu reflektieren, Wünsche und Anliegen zu besprechen und weitere Aktivitäten zu planen. Die Gruppe sollte sich gemeinsam dazu verständigen, wer beispielsweise zu Kooperationsgesprächen in die Klinik geht. Wer kümmert sich darum, dass immer genügend Flyer und Info-Material der Gruppe in der Klinik vorhanden sind? Soll ein Besuchsdienst für Patienten eingerichtet werden und wer möchte das dann regelmäßig machen?

Im Zuge einer regelmäßigen Kooperation tauchen viele solche konkreten Aufgaben und Fragen auf. Es ist wichtig, von Anfang an alle Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen, damit sich Einzelne nicht überfordern.

Als Selbsthilfegruppe entscheiden Sie selbst, ob Sie genügend Kraft und Zeit für eine Kooperation mit einer Gesundheitseinrichtung haben und besprechen miteinander, wer welche Aufgaben übernehmen kann.

Unsere Selbsthilfegruppe ist offen für neue Mitglieder

Kooperationsinteressierte Selbsthilfegruppen sollten bereit sein, neue Menschen kennenzulernen und neue Mitglieder aufzunehmen. Nur dann können Patienten im Krankenhaus oder in einer Reha-Klinik auf die Selbsthilfegruppe aufmerksam gemacht werden.

Als Selbsthilfegruppe entscheiden Sie gemeinsam, ob Sie offen sind für neue Mitglieder, oder ob Sie derzeit eine geschlossene Gruppe sein möchten.

Die Selbsthilfegruppe ist offen für die Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus oder einer Klinik ist für viele neu: für die Gruppenmitglieder genauso wie für viele Mitarbeiter der Gesundheitseinrichtung. Und wer Neues ausprobieren will, braucht Geduld, Offenheit, ein bißchen Mut und Kritikfähigkeit.

Selbsthilfegruppen dürfen neugierig sein und sich trauen, Ihre Ideen und Anliegen in eine Kooperation einfließen zu lassen. Wenn Fehler passieren, muss natürlich die Kritik der Kooperationspartner ausgehalten werden bzw. selbst offen Kritik am Kooperationspartner geübt werden. Nur dann kann gemeinsam überlegt werden, wie es besser gehen kann.

Als Selbsthilfegruppe entscheiden Sie gemeinsam, ob Sie bereit sind, sich auf etwas Neues einzulassen. Und ob Sie stark genug sind, eigene Interessen vor Fremden und Fachleuten selbstbewusst zu vertreten.

Unsere Selbsthilfegruppe gibt feste Ansprechpersonen für die Zusammenarbeit bekannt

Die Selbsthilfegruppe sollte mindestens 2 Personen benennen, die sie in der Kooperation vertreten und verlässliche Ansprechpartner für die Zusammenarbeit sind.

Diese Personen müssen gut erreichbar sein, am besten per E-Mail und Telefon. Außerdem sollten sie für die Zusammenarbeit regelmäßig Zeit haben und es muss Ihnen möglich sein, in die kooperierende Klinik oder das Krankenhaus zu kommen. Das bedeutet Arbeit, Zeit und Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, dass die Ansprechpersonen ihre eigenen Grenzen kennen und sich der Unterstützung ihrer Gruppe sicher sind.

Es sollte jederzeit ein Anliegen der ganzen Gruppe sein, diese Kooperation mit Leben zu füllen. Immer wieder sollte es daher Angebote weiterer Gruppenmitglieder geben, konkrete Aufgaben zu übernehmen und die eigenen Vertreter in der Kooperation zu entlasten.

Die gewählten Ansprechpersonen achten darauf, sich nicht zu überlasten. Sie dürfen auch „nein“ sagen, wenn etwas zu viel wird, oder sich in der eigenen Gruppe Unterstützung holen. Die Gruppe achtet aktiv darauf, dass Ihre Vertreter nicht alleinverantwortlich die Kooperation mit Leben füllen.

Ihre Selbsthilfekontaktstelle ist für Sie da
Ihre örtliche Selbsthilfekontaktstelle unterstützt und berät Sie gerne in der Zusammenarbeit mit einer Gesundheitseinrichtung. Sie hilft weiter, wenn

  • Sie sich als Selbsthilfegruppe noch unklar darüber sind, ob Sie eine enge und längerfristige Zusammenarbeit mit einer Gesundheitseinrichtung beginnen wollen,
  • Sie unsicher sind, ob Sie persönlich diese Aufgabe mit Ihren Ressourcen stemmen können,
  • Sie nicht genau wissen, wie Sie Ansprechpartner finden können,
  • es Probleme in der Zusammenarbeit mit einer Einrichtung gibt.

Die nächste Selbsthilfekontaktstelle finden Sie in den roten Adressen der NAKOS.