01.07.2020 Gie­ßen

Der Vor­stands­be­schluss am 02.06.2020 fiel ein­stim­mig aus: zum 01.07.2020 über­nimmt die Deut­sche Arbeits­ge­mein­schaft Selbst­hil­fe­grup­pen e.V. (DAG SHG) das Netz­werk Selbst­hil­fe­freund­lich­keit und Pati­en­ten­ori­en­tie­rung im Gesund­heits­we­sen (SPiG) mit Sitz in Ber­lin. Damit unter­hält die DAG SHG nun fünf Ein­rich­tun­gen:

auf Bun­des­ebene:

  • NAKOS – Natio­nale Kon­takt­stelle zur Anre­gung und Unter­stüt­zung von Selbst­hil­fe­grup­pen
  • Netz­werk Selbst­hil­fe­freund­lich­keit und Pati­en­ten­ori­en­tie­rung im Gesund­heits­we­sen (SPiG)

auf Lan­des­ebene:

  • KOSKON — Koor­di­na­tion für Selbst­hilfe-Unter­­stü­t­­zung in NRW
  • Selbst­hilfe-Büro Nie­der­sach­sen — Service‑, Infor­­ma­­ti­ons- und Koordinierungs­einrichtung für Selbst­hilfe in Nie­der­sach­sen

auf kom­mu­na­ler Ebene:

  • Selbst­hil­fe­kon­takt­stelle Gie­ßen — Kon­takt­stelle für Selbst­hil­fe­grup­pen

Das Netz­werk SPiG wurde 2009 von der NAKOS, der GSP – Gemein­nüt­zige Gesell­schaft für soziale Pro­jekte des Pari­tä­ti­schen Lan­des­ver­bands Nor­d­rhein-Wes­t­­fa­­len, dem Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Sozio­lo­gie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Ham­­burg-Eppen­­­dorf und dem BKK Bun­des­ver­band sowie dem BKK Lan­des­ver­band NORDWEST gegrün­det. Seit 2016 ist die Geschäfts­stelle des Netz­werks bei der NAKOS ange­sie­delt und wurde hier in den letz­ten Jah­ren aktiv ideell und durch not­wen­dige Infra­struk­tur unter­stützt und wei­ter­ent­wi­ckelt.

Dass die DAG SHG das Netz­werk SPiG nun als eigen­stän­dige Toch­ter­ein­rich­tung insti­tu­tio­na­li­siert, freut die Bun­des­ko­or­di­na­to­rin des Netz­werks SPiG Antje Lie­se­ner: „Das ist ein unheim­li­cher Ver­trau­ens­be­weis in unsere Arbeit und unter­streicht unse­ren gemein­sa­men Ein­satz für selbst­hil­fe­freund­li­che Struk­tu­ren im Gesund­heits­we­sen!“

Schnitt­stel­len über­win­den — Selbst­hilfe ermög­li­chen

Das Erfolgs­re­zept des Netz­werks SPiG: es bringt vor­han­dene, poten­zi­elle Part­ner zusam­men und schließt erfolg­reich die Schnitt­stelle zwi­schen dem pro­fes­sio­nel­len Ver­sor­gungs­sys­tem und dem Selbst­hilfe-Enga­­ge­­ment der Zivil­ge­sell­schaft.

Denn obwohl die gesund­heit­li­che Selbst­hilfe längst als 4. Säule der Gesund­heits­ver­sor­gung gilt und maß­geb­lich zur Prä­ven­tion und Reha­bi­li­ta­tion von Pati­en­ten bei­trägt, gibt es bis­lang kaum Struk­tu­ren, die diese 4. Säule mit den drei ande­ren (ambu­lant, sta­tio­när und reha­bi­li­ta­tiv) ver­netzt. Diese Lücke schließt nun erst­mals sys­te­ma­tisch das Netz­werk SPiG: Es för­dert die struk­tu­rierte Betei­li­gung der Selbst­hilfe in allen Berei­chen der gesund­heit­li­chen Ver­sor­gung, indem es kon­krete Koope­ra­tio­nen von Kran­ken­häu­sern, Reha­kli­ni­ken und ande­ren Gesund­heits­ein­rich­tun­gen mit Selbst­hil­fe­grup­pen und der jewei­li­gen Selbst­hil­fe­kon­takt­stelle vor Ort initi­iert und beglei­tet.

Ent­lang des gemein­sam mit der Selbst­hilfe ent­wi­ckel­ten und wis­sen­schaft­lich eva­lu­ier­ten Koope­ra­­ti­ons- und Qua­li­täts­ma­nage­ment­kon­zep­tes „Selbst­hil­fe­freund­lich­keit als Qua­li­täts­merk­mal“ wer­den Gesund­heits­ein­rich­tun­gen darin unter­stützt, selbst­hil­fe­freund­li­che Struk­tu­ren zu schaf­fen. Gleich­zei­tig wird die Selbst­hilfe befä­higt, in der Zusam­men­ar­beit mit Gesund­heits­ein­rich­tun­gen selbst­be­wusst ihre Anlie­gen und Exper­tise zur Ver­bes­se­rung von Prä­ven­tion und Reha­bi­li­ta­tion ein­zu­brin­gen.

Ein Erfolg mit weit­rei­chen­der Wir­kung: 2018 griff der Deut­sche Ethik­rat das Thema auf und for­derte in sei­ner Adhoc-Emp­­feh­­lung „Her­aus­for­de­run­gen im Umgang mit sel­te­nen Erkran­kun­gen“, das Gesund­heits­we­sen „selbst­hil­fe­freund­lich“ zu orga­ni­sie­ren. Dafür sollte „Eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen geför­dert wer­den, um die Bedürf­nisse und Inter­es­sen von Pati­en­ten bes­ser zu berück­sich­ti­gen“.

Heute enga­gie­ren sich bereits über 300 Gesund­heits­ein­rich­tun­gen, Selbst­hil­fe­grup­pen und ‑orga­ni­sa­tio­nen im Netz­werk SPiG, um in über 80 Koope­ra­tio­nen das Kon­zept „Selbst­hil­fe­freund­lich­keit“ als Leit­fa­den für die Gestal­tung ihrer Zusam­men­ar­beit zu nut­zen. Bun­des­weit wur­den bereits 29 Kran­ken­häu­ser, 18 Reha­kli­ni­ken und ein Ärz­te­netz für ihr selbst­hil­fe­freund­li­ches Enga­ge­ment aus­ge­zeich­net. Allein in die­sen prä­mier­ten Ein­rich­tun­gen wir­ken 455 Selbst­hil­fe­grup­pen daran mit, die Gesund­heits­ver­sor­gung pati­en­ten­ori­en­tier­ter zu gestal­ten.

Pres­se­mit­tei­lung: Netz­werk wird Betriebs­stätte der DAG SHG